Vereinsgeschichte der SKG Rodheim von 1888 e.V.

(aus Festschrift zum 100-jährigen Vereinsjubiläum)

Nachdem sich bereits seit einiger Zeit eine Handvoll junger Rodheimer Bürger für die Idee des Turnens und des Sports begeisterte und auf privater Ebene mit sportlichen Übungen befasste, beschlossen im Sommer des Jahres 1888 die Herren

Sell, Philipp
Maxeimer, Heinrich
Michael, Karl
Schmidt, Wilhelm
Schmidt, Konrad
Keller, Heinrich
Schmidt, Ludwig (verstorben 1963)

die Gründung eines Vereins, der dann im November d.J. den Namen erhielt:

TURNVEREIN RODHEIM AN DER BIEBER

Alles sportliche Geschehen dieser Zeit konzentrierte sich auf das Turnen. Infolge des allgemein vorhandenen Interesses und des großen persönlichen Einsatzes der Vereinsgründer zählte der Verein bereits in seinem Gründungsjahr 20 Mitglieder und nur zwei Jahre später über 40 Mitglieder, von denen 12 als aktive Turner erstmals im Herbst 1890 mit einer Turnveranstaltung in der Öffentlichkeit auftraten.

Im Jahre 1892 erlebte der Verein eine Krise, die nur dadurch behoben werden konnte, dass eine Anzahl Mitglieder des damaligen Gesangvereins dem Turnverein beitraten und ihn dadurch wieder lebensfähig machten. Durch den Beitritt dieser Sänger und einem Trend der Zeit folgend, bildete sich schon damals im Turnverein eine Gesangsabteilung mit einem regen Betätigungsfeld.

In den Folgejahren blühte der Verein auf und die aktiven Turner konnten bei Wettkämpfen und Vereinsvergleichen beachtliche Leistungen aufweisen. Das 10-jährige Bestehen im Jahre 1898 wurde mit einem Fest auf dem „Turnerplatz“ (heute Grünanlage Ecke Gleibergstraße/Am Turnerplatz) gebührend gefeiert.

Doch kurz darauf kam es zu Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Mitglieder, die mit einer Spaltung des Vereins endeten. Es entstand so neben dem Turnverein der „Männerturnverein“ Rodheim. Dieser entwickelte sich sehr rasch und bald waren beide Vereine starke Konkurrenten. Auf finanziellem Gebiet hatten beide mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen und nur durch enormen Idealismus, durch Tatkraft, Energie und persönliche Opfer aller Mitglieder konnten die Vereine am Leben erhalten werden.

Die gegenseitige Konkurrenz spornte allerdings zu Leistungssteigerungen an und so war bei Ausbruch des 1. Weltkrieges (1914 – 1918) in beiden Vereinen ein beachtliches Leistungsniveau vorhanden. Der Krieg legte die Vereinsarbeit fast lahm; eine ganze Anzahl junger Mitglieder kehrte nicht mehr zurück.

Nach Kriegsende entwickelte sich die Vereinsarbeit zuerst nur zögernd. Zu den beiden Turnvereinen etablierte sich jetzt noch ein dritter Verein, der „Sportverein Rodheim“, dessen Aktivität sich auf den Ball- und Mannschaftssport, der hoch im Kurs stand, erstreckte.

Sehr bald jedoch erkannte man, dass ein lebensfähiges Bestehen von drei turn- und sporttreibenden Vereinen in einem relativ kleinen Ort nicht lange andauern konnte. Forciert von Mitgliedern aller Vereine schloss man sich am 30.03.1924 zu einem großen Verein unter dem Namen

TURN- UND SPORTGEMEINDE RODHEIM A.D. BIEBER

zusammen.

Zwar hatte dieser Verein in der Folgezeit auch seine Schwierigkeiten zu überwinden, beispielsweise die Kostenfrage für die Anlage des Waldsportplatzes (der unter seiner Regie entstand) zu klären, eine ernsthafte Gefährdung des Vereinslebens trat jedoch nicht mehr auf.

Auch nicht infolge des Ausscheidens von Mitgliedern durch den Anschluss der TSG an den Lahn-Dünsberg-Gau des Allgemeinen Deutschen Turnerbundes. Die ausgeschiedenen Mitglieder gründeten die „Freie Turnerschaft Rodheim“, die dann ebenfalls reges Vereinsleben entwickelte. Die TSG Rodheim war 1927 Ausrichter des Gauturnfestes, das dort stattfand, wo wir heute feiern: auf dem jetzigen Rathausplatz. In 1928 wurden erstmals Frauen als Mitglieder in die Vereine aufgenommen und Frauen-Turnriegen ins Leben gerufen.

Zu dieser Zeit unterhielt man folgende Sparten:

- Turnen – mit Jugend-, Männer- und Frauen-Riegen

- Handball – mit Männermannschaften im Feldhandball

- Faustball

- Leichtathletik – wurde vor und nach den Turnstunden betrieben

- Musik – mit einem Spielmannszug

Infolge der Änderung der politischen Verhältnisse in Deutschland, mit der Gleichschaltung aller Turn- und Sportvereine im Reichsbund für Leibesübungen, erhielt die TSG als stärkster heimischer Verein großen Auftrieb, da sie ab dieser Zeit der allein sporttreibende Verein in Rodheim war. In 1934 wurde eine Fußballabteilung dem Verein angegliedert, die es schon sehr bald zu schönen und beachtlichen Erfolgen brachte.

Das 50-jährige Vereinsjubiläum wurde mit einem großen Volksfest am 16. Und 17. Juli 1938 gefeiert.

Der Ausbruch des 2. Weltkrieges (1939 bis 1945) schränkte dann die Vereinstätigkeit zunächst erheblich ein, bis sie 1940 vollends zum Erliegen kann. Doch sehr bald nach Kriegsende erwachte sportliches Interesse, das von dem damaligen amerikanischen Standortkommandeur angeregt wurde und in vereinsmäßige Bahnen gelenkt werden musste. So waren es zunächst die Fußballanhänger, die den Verein „Blau-Weiß Rodheim“ ins Leben riefen. Ihnen folgten rasch die Sänger, die einen neuen Gesangverein gründeten. Beide schlossen sich bereits ein Jahr später wegen viele gleicher Mitglieder zur „Sport- und Kulturgemeinschaft Rodheim (SKG) zusammen.

Auch bei der TSG regte sich wieder Leben, doch waren einige ihrer früheren Mitglieder bereits zur SKG abgewandert. Dennoch entwickelte sich wieder ein geregeltes Vereinsleben und durch den Zuzug vieler Heimatvertriebener wuchsen auch die Mitgliederzahlen beider Vereine.

Während sich die SKG hauptsächlich dem Fußball und dem Gesang widmete, aber auch über leistungsstarke Turnriegen verfügte, besann man sich bei der TSG auf das turnerische Erbe und stellte das Geräteturnen in den Vordergrund. Faustball wurde verstärkt betrieben und eine astarke Leichtathletikabteilung existierte ebenfalls.

Gegen Mitte der 50er Jahre konnte die TSG im Bereich „Hermestal“ ein Wiesengrundstück erwerben und mit großem finanziellem Aufwand und enormen Eigenleistungen zu einem Faustballplatz ausbauen.

In beiden Vereinen wurde eigentlich schon sehr bald über ein Zusammengehen diskutiert. Erste ernsthafte Verhandlungen begannen in 1958, doch erst in 1960 hatten sich beide Vorstände auf einen Modus geeinigt. Die Mitglieder beider Vereine entschieden sich dann mit überwältigender Mehrheit für einen Zusammenschluss und es entstand am 04. Juni 1960 die

SPORT- UND KULTURGEMEINSCHAFT 1888 E.V. RODHEIM

mit ca. 400 Mitgliedern aus allen Bevölkerungsschichten der Gemeinde. Zum Vorsitzenden des Großvereines wählte die Versammlung Willi Dönges. Sein Stellvertreter wurde Selmar Kramer. Beide waren die Initiatoren des Zusammenschlusses.

Der Verein erlebte in den Folgejahren in allen Sparten großen Auftrieb, zudem natürlich auch sportliche Erfolge beitrugen, aber auch ein vergrößertes Angebot, das durch die Nutzung des Bürgerhauses möglich war. Auch das gesellschaftliche Leben innerhalb des Vereins bekam dadurch neuen Auftrieb. Die bisher bescheidenen karnevalistischen Veranstaltungen der SKG wurden erweitert und sind heute als Fremdensitzungen fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens unserer Gemeinde. Ebenso konnte von dort an die Gesangsabteilung mit Chorkonzerten und Gesangsveranstatlungen vor größerem Publikum ihr Können unter Beweis stellen.

Die ständig steigende Zahl aktiver Gruppen und die notwendigen Erweiterungen der Angebote – vor allem im Breitensportbereich – schufen und schaffen immer noch enorme Raumprobleme. Erst der Bau der Sporthalle Biebertal durch die Gemeinde brachte spürbare Verbesserung. Durch verstärkte Inanspruchnahme zeichnen sich aber bereits dort schon wieder Raum- und Zeitprobleme ab, die in naher Zukunft gelöst werden müssen. Gleiches gilt für die vorhandenen Sportplätze. Der vereinseigene Faustballplatz konnte ausgebaut werden auf drei Rasenspielfelder und mit einem festen Haus versehen werden. Es bedarf jedoch einer weiteren Ausweitung, wenn er für Bundeliga-Spiele zhugelassen werden sollte.

Der Waldsportplatz wurde 1975 als Hartplatz von der Gemeinde gründlich ausgebaut. Seit Jahren ist der Verein jedoch bemüht, einen modernen Rasenplatz dazu zu erhalten Diese Bemühungen müssen verstärkt und konsequent fortgesetzt werden.

Die erweiterten Aktivitäten des Vereins, die verbesserten technischen und räumlichen Voraussetzungen sowie das gesteigerte Bedürfnis vieler Menschen nach gesunder, sinnvoller Freizeitgestaltung musste zwangsläufig eine Ausweitung des Vereins nach sich ziehen. Die Mitgliederzahl entwickelte sich seit 1960 wie folgt

Jahr 1960 1970 1980 1988

Mitgliederzahl 400 750 1000 ca. 1200

Das Betätigungsfeld der SKG 1888 e.V. Rodheim erstreckt sich im Jubiläumsjahr auf die nachfolgenden Sparten:

- Turnen

- Fußball

- Faustball

- Gesang

- Skilauf

- Volkssport

Spartenübergreifend besteht seit vielen Jahren eine sehr rührige Karnevals-Abteilung, die jährlich mit Frendensitzungen und Kinderfesten in Erscheinung tritt. Auch der Bereich Volkssport versteht sich eigentlich spartenübergreifend. Hier werden jährliche Dünsberg-Berglauf, Radwanderungen sowie Training und Abnahme des Sportabzeichens arrangiert.